Gebrauchtes Toilettenpapier recycelt zu Asphalt

Vom Abfall zum Asphalt: Das VANA-Projekt

Niederländische Wasserverbände (waterschappen) gewinnen bei der Abwasserreinigung wertvolle Sekundärrohstoffe, dürfen diese jedoch aufgrund gesetzlicher Vorgaben oft nicht direkt kommerziell vertreiben. Um diese Lücke zu schliessen, kooperierte der friesische Wasserverband Wetterskip Fryslân mit der „Energie- en Grondstoffenfabriek“, der Forschungsstiftung STOWA und dem Unternehmen KNN Cellulose (heute Recell Group) im Konsortium „Van afval naar asfalt“ (VANA). Ziel dieser Partnerschaft war es, eine marktfähige Wertschöpfungskette für aus Abwasser zurückgewonnene Zellulose aufzubauen.

Jährlich werden in den Niederlanden rund 180.000 Tonnen Toilettenpapier die Kanalisation hinuntergespült. Bislang wurde diese Zellulose als Abfall unter hohem Kostenaufwand verbrannt. Durch eine frühzeitige Siebung im Klärprozess senken die Wasserverbände nicht nur den Energiebedarf beim Schlammabbau, sondern gewinnen auch ein hochwertiges Pflanzenpolymer zurück, das herkömmliche Stabilisatoren wie Frischholzfasern oder mineralische Kieselgur im Strassenbau ersetzen kann.

Am 15. September 2016 wurde zwischen Leeuwarden und Stiens ein weltweit einzigartiger, ein Kilometer langer Radweg eingeweiht, dessen Asphaltbelag mit Zellulosefasern aus recyceltem Toilettenpapier stabilisiert wurde. Die Fasern verhindern das Entmischen von Bitumen und Gestein und erhöhen so die Haltbarkeit des Strassenbelags. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt wurde das Verfahren vom Joint Venture Cellvation skaliert, das bis Anfang 2025 bereits über 15.000 Tonnen Zellulose aus Abwasser für verschiedene Infrastrukturprojekte in den Niederlanden aufbereitet hat.

Die Erfahrungen aus Friesland bieten auch für die Schweiz wichtige Lehren, wo ab 2026 die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm in Kraft tritt. Schweizer Kläranlagen stehen damit vor derselben Herausforderung, Sekundärrohstoffe verwerten zu müssen, ohne selbst als Händler auftreten zu können. Das niederländische Modell zeigt, dass der Aufbau spezialisierter Mittler und breit abgestützter Konsortien entscheidend ist, um den Kreislauf erfolgreich zu schliessen.

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